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Nutztiere der Mongolei (Teil 7/7) – Das Rind: Von Yaks, Khainags, Milch und Wolle

Blogeintrag vom

Von den 67 Millionen Nutztieren der Mongolei sind 4,7 Millionen Rinder, darunter um die 600 Tausend Yaks (Stand 2020).

Die Yaks

Während domestizierte Rinder als Nutzvieh fast überall auf der Welt zu finden sind, gibt es in der Mongolei das Hochgebirgsrind. Wegen des Geräusches, das es von sich gibt, wird es auch Grunzochse genannt. Da klingt Yak doch viel besser, weshalb wir gerne bei dieser Bezeichnung bleiben.

Viele bezeichnen Yak als „das urtümlichste Nutzvieh der Mongolei“ – und urtümlich sehen Yaks tatsächlich aus: Sie sind kräftig gebaut, sind 1,5 – 2 Meter hoch bei bis zu 600 kg Gewicht. Auch seine meist dunkle, dichte Haarpracht, die am Bauch und Schwanz oft bis zum Boden reicht, beeindruckt. Ein Erscheinungsbild wie aus der Urzeit, gerade neben den etwas kleineren hellbraunen, orange-gelblichen Rindern und Kühen, den weißen Schafen und den hellen Ziegen der typisch mongolischen Misch-Herde. Dazu dann noch diese satten Grunz-Geräusche ...

Trotz seines mächtigen Körperbaus ist der Yak ein Gebirgstier und kommt auch auf steilen Hängen gut zurecht. Vor allem die Hufe helfen Steigungen zu überwinden. Ihr Außenrand ist hart und robust, aber das Hufinnere ist mit weicher Haut bedeckt. In Nepal und Tibet wäre die Nutzung von hoch liegenden Weiden ohne Yaks als Lastentiere unvorstellbar, denn die Yaks kommen durch die Regulierung ihrer Atemfrequenzen mit der dünnen Luft des Hochgebirges bestens aus.

Auch Temperaturen bis zu – 50 Grad Celsius sind für die gut behaarten Tiere kein Problem. Durch diese widerstandsfähige und Temperatur regulierende Eigenschaften ist Yakwolle für die Herstellung von leichter, aber robuster und warmer Bekleidung bestens geeignet. Mongolische Nomaden nutzen dies seit Jahrtausenden.

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Die Khainags

In der Mongolei verbreitet ist das Khainag (Mongolisch хайнаг), eine Kreuzung zwischen Rind und Yak, die von den Mongolen zu den Yaks gezählt wird. Vor allem in der Gegend der Zentralmongolei gibt es immer mehr Khainags. Die Khainags geben mehr Wolle und produzieren mehr Milch als Yaks. Die Milch von Khainag-Kühen ist fetthaltiger, als normale Kuhmilch.

Milchspeisen

Die Nomaden der Mongolei betreiben aufgrund ihrer nicht sesshaften Lebensform kaum Ackerbau, bauen traditionell weniger Gemüse als ihre Nachbarn im Süden (China) und Norden (Russland) an. Milchprodukte gehören infolge zu den Grundnahrungsmitteln, sind wichtigen Lieferanten von lebensnotwendigen Mineralien und Spurenelementen. Rinder sind dabei die Milchlieferanten der Mongolei schlechthin.

Tsagaan Idee (Mongolisch Цагаан идээ), „weisse Speisen“ ist der Oberbegriff für alle Milcherzeugnisse. Sie sind aus dem mongolischen Haushalt nicht wegzudenken. Es gibt viele Arten von Milcherzeugnissen und zahlreiche (regionale) Spezialitäten. Hier ein erster, kleiner Einblick in die am meisten verbreiteten Milchspeisen:

Wenn man in der Mongolei unterwegs ist, auch als Tourist, bekommt man überall, bei jeder Familie als erstes einen Milchtee angeboten. Der mongolischer Milchtee ist eine etwas leichtere Variante des tibetischen Buttertees. Grünteeblätter werden im Wasser aufgekocht, mit Milch und Salz verfeinert, dann heiß serviert. In der kalten Jahreszeit wird zusätzlich auch Gelbbutter, Schar Tos (Mongolisch шар тос), beigemischt. Für Ausländer ein etwas gewöhnungsbedürftiges Getränk, für Nomaden aber ein unverzichtbarer Bestandteil der Ernährung.

Die Gelbbutter wird aus Rahm gewonnen. In der Mongolei wir sie nicht nur zum Milchtee dazu gegeben, sondern findet auch Anwendung bei der Zubereitung von Speisen.

Wenn schon so viel Milch verarbeitet wird, liegt es nah, dass man auch einen Weg gefunden hat, daraus Alkohol herzustellen: den Milchschnaps. Schimiin Arkhi (Mongolisch шимийн архи) wird, ähnlich dem europäischen Glühwein, erwärmt getrunken. Und ein Stückchen Gelbbutter schwimmt auch darauf ...

Im Sommer geben die Kühe genug Milch; Joghurt, Quark & Co. werden frisch verspeist. Für den Winter werden die Milchprodukte als Proviant getrocknet. Vor allem getrockneter Quark – unter dem Begriff „Aaruul“ (Mongolisch ааруул) allgegenwärtig – wird für den Winter in rauen Mengen hergestellt. Je nach Region gibt es Unterschiede und Besonderheiten. In südlichen Regionen gibt es Aaruul beispielsweise aus Kamelmilch und in Gebirgsregion eher aus Yakmilch. Weil fast jede Nomadenfamilie Aaruul herstellt, gibt es ihn in unterschiedlichen Formen und Geschmacksrichtungen wie neutral, säuerlich, süß usw. Für Mongolen ist Aaruul ein immer willkommener Snack für Zwischendurch.


Oyun Ishdorj
Oktober 2021

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