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Nutztiere der Mongolei (Teil 4/7) – Das Kamel: Eine innige Verbindung

Blogeintrag vom

Das baktrische Kamel: Trampeltier und Alleskönner

Laut dem mongolischen Amt für Statistik wurden im Jahr 2020 in der Mongolei knapp 500.000 Kamele als Nutztiere gezählt. Im Vergleich zu den 30 Mio. Schafen sind die Kamele zwar eine Minderheit unter den Nutztieren – aber eine unverzichtbare.

Diese halbe Million Tiere haben zwei Höcker, gehören wissenschaftlich zur Familie der baktrischen Kamele und sind umgangssprachlich als Trampeltiere bekannt. Dass die zweihöckrigen mongolischen Kamele mit den einhöckrigen Dromedaren Nordafrikas und Arabiens eng verwandt sind, liegt nah. Erstaunlicherweise gehören allerdings auch die in Südamerika ansässigen Lamas, Alpakas und Vikunyas zur gleichen Tiergattung, sind somit entfernte Verwandte der mongolischen Trampeltiere.

Unter den fünf Nutztieren der mongolischen Nomaden sind die Kamele für ihre Ausdauer und Kraft bekannt. Kein anderes Tier kann derart lange Strecken – es handelt sich um bis zu 50 km oder auch fast 15 Tage – ohne Wasser und Nahrung zurücklegen und dabei Lasten transportieren. Ohne das Kamel als Lastentier wären die Seidenstraßen des Mittelalters, das riesige Wegenetz, welches den Osten über den Orient mit dem Westen verbunden hat, unvorstellbar. Handel und wirtschaftliche Entwicklung wären zur damaligen Zeit sehr eingeschränkt gewesen.

Die Kamele sind in den Wüsten- und Halbwüstengebieten unersetzliche Alleskönner: Sie sind Transportmittel (Reit-, Zug- und Lastentiere) und Nahrungslieferanten (Milch, Fleisch). Mit ihrem Dung heizen die Nomaden und aus ihrer Wolle stellt man Kleidung her.

Kamele wirken im Winter durch ihr flauschiges Fell, ihre Größe und ihre Haltung – der Kopf wird immer hochgehalten – sehr majestätisch. Im Sommer jedoch sehen sie plötzlich rank und schlank, manchmal sogar etwas nackt aus, sind sie doch nur mit neuwachsendem Flaumhaar bedeckt.

Die Kamele aller Altersgruppen verlieren ihr Haar gegen Ende Juni. Wenn es soweit ist, lösen sich die Haare in großen „Fetzen“ von der Haut. Diese Fetzen nehmen die Nomaden einfach mit der Hand ab. Kamele werden folglich nicht geschoren und nicht gekämmt. Oft hängt das ausgefallene Kamelhaar auch an den Büschen und Sträuchern und kann aufgesammelt werden.

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Die Mongolen sind durch und durch mit ihren Kamelen verbunden. Dies spiegelt sich auch in der Sprache wider, denn ein Kamel ist im Mongolischen nicht einfach nur ein Kamel. Diese kleine Sprachkunde gibt einen Einblick:
- Temee: Kamel als Oberbegriff,
- Inge: Kamelstute bzw. weibliches Kamel,
- Botgo: einjähriges Kamelfohlen,
- Torom: zweijähriges Kamelfohlen,
- Tailag: Kamel ab dem 3. Lebensjahr,
- At: kastriertes Kamel (ca. im Alter von 3 Jahren) und
- Buur: der Kamelhengst und Chef der Herde.

Während die mongolischen Pferde mit einer Höhe von 1,50 m zu den kleineren der Welt zählen, sind die Trampeltiere mit ihren über 2 m Schulterhöhe fast Riesen. Ein ausgewachsener Buur (Kamelhengst) kann bis zu 1000 kg auf die Waage bringen.

Dennoch ist die Beziehung der Mongolen innig. Wer einen kleinen Einblick erhalten will, dem sei der mit einer Oscarnominierung geadelte Film „Die Geschichte von weinendem Kamel“ empfohlen.


Oyun Ishdorj
September 2021

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