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Nutztiere der Mongolei (Teil 3/7) – Die Pferdekopfgeige, ein Exkurs

Blogeintrag vom

Die Pferdekopfgeige: das traditionelle Streichinstrument der Mongolei

Auf Mongolisch heißt die Pferdekopfgeige morin khuur (морин хуур), was übersetzt Pferde-Geige bedeutet. Diesen Namen erhielt es wegen der Verzierung mit einem Pferdekopf am oberen Ende des Instruments. Das Pferd steht als Symbol für die Mongolei selbst, für Freiheit und Stärke.

Den geschnitzten Pferdekopf verbindet ein langer Hals mit dem trapezförmigen Klangkörper. Eine Pferdekopfgeige ist in der Regel um die 130 cm hoch. Sowohl die zwei Saiten als auch die Bogenbespannung werden traditionell aus Pferdehaar gemacht. Dabei unterscheidet sich die Anzahl der Haare, aus denen die Saiten hergestellt werden: 130 für die tiefere („männliche“) Saite und 100 die höhere („weibliche“) Saite. Die Nutzung natürlicher Haare ist wesentliche Voraussetzung des weichen, warmen, etwas rauchigen Klangs der Pferdekopfgeige.

Die Pferdekopfgeige wird aufrecht gehalten, mit dem Klangkörper zwischen den Knien des Spielers eingeklemmt gespielt.

Verzierung und Benennung sind ein klares Zeichen, dass die Pferdekopfgeige ein Sinnbild der kulturellen Identität der Mongolen ist. Die Pferdekopfgeige ist in der Mongolei weit verbreitet, fast jede Familie besitzt eine. Sie wird zur Hochzeit und auch zum Einzug in eine neue Jurte, oder heutzutage in ein neues Haus oder eine neue Wohnung geschenkt.

Gespielt wird das Instrument beim Zelebrieren verschiedener nomadischer Rituale, sie ist das Begleitinstrument bei mongolischen Liedern, Tänzen sowie der Erzählung von Märchen und Epen. Bei langen Melodien erinnert ihr Klang an die Winde der Steppe. Die Virtuosen auf der Geige können fast alle Geräusche einer Pferdeherde wiedergeben.

Die Pferdekopfgeige hat sich seit dem 13. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Mongolei, unter den nomadischen Völkern verbreitet. Es ranken viele Legenden um die Entstehung dieses traditionellen Instruments. Eine der bekanntesten ist „Die Legende von Höhöö Namjil“, einem schönen Sänger, dem die Geliebte ein magisches, fliegendes Pferd schenkte, damit er jeden Abend zu ihr kommen kann. Aber eine andere eifersüchtige Frau, die ein Auge auf den schönen Mann geworfen hatte, schnitt dem Pferd die Flügel ab. Mit dem Tod des Pferdes war der Mann für immer von seiner Geliebten getrennt. In seiner Trauer schnitzte er den Kopf seines geliebten Pferdes nach und schuf sich eine morin khuur. Wenn er nun darauf spielte, ließ er den Gang seines Pferdes wieder lebendig werden.

Die Musik der Pferdekopfgeige wurde 2003 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen.

Einen Einblick in die Spielweise und einen Eindruck des Klangs erlaubt dieses Video der Gruppe Sedaa, die diesbezüglich in Europa wohl bekanntesten mongolischen Künstler: Bitte zum Betrachten des Videos hier klicken.


Oyun Ishdorj
August 2021

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