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"Ger" - die mongolische Jurte

Blogeintrag vom

Die Behausung der mongolischen Nomaden heißt „Ger“, auf Deutsch so viel wie Jurte und Zuhause.

Sie ist rund, in der Mitte etwa 2,50 Meter hoch und hat einen Durchmesser von ca. 5 Metern. Aber es gibt größere und kleinere Jurten.

Die runde Form ist seit Jahrtausenden sowohl dem windigen kontinentalen Klima, als auch der nomadischen Lebensweise perfekt angepasst. So verteilt sich drinnen die vom in der Mitte stehenden Ofen erzeugte Wärme gleichmäßig. Obwohl kein einziger Nagel verwendet wird, besteht die Jurte die heftigsten Stürme – nicht nur dank der runden Form, sondern aufgrund der besonderen Bauweise: Die einzelnen Teile werden ineinandergesteckt und mit Seilen oder Schnüren aus tierischer Haut oder Haaren miteinander gebunden.

Die Jurte besteht aus den folgenden Bauteilen:

- Dachkranz,
- Dachstangen,
- zwei Säulen,
- Scherengitter-Wänden,
- Fußboden,
- Tür,
- Filzisolierung,
- Innenverkleidung,
- Außenverkleidung sowie
- Seilen und Schnüren.

Der Aufbau einer Jurte dauert ungefähr eine Stunde; der Abbau erfolgt noch schneller.

Beim Aufbau gibt es eine interessante Besonderheit: Da die Tür relativ klein ist, wird das Mobiliar zuerst platziert und die Jurte rundherum aufgebaut. Traditionell wird die Jurte mit der Tür nach Süden gerichtet aufgebaut. Dafür gibt es mehrere Gründe. So ist es windgeschützt, weil der Wind in der Mongolei meistens von Nordwesten weht. Die Sonne scheint fast jeden Tag im Land. Man kann die Jurte als eine Art Sonnenuhr verwenden und die grobe Uhrzeit daran ablesen, welchen Teil der Jurte die durch den Dachkranz eindringenden Sonnenstrahlen gerade beleuchten.

Von der Tür in die Jurte blickend betrachtet „gehört“ die linke, vordere Seite dem Mann der Familie. Dort befinden sich die Sachen, die er beim Reiten oder Viehhüten braucht. Umgekehrt organisiert die Frau in der rechten, vorderen Hälfte die Gegenstände für den Haushalt oder das Viehmelken. Außerdem stehen in der Jurte zwei bis drei schmale Betten, ein paar Kommoden bzw. Schränke, Hocker und ein kleiner Tisch. Heutzutage laden die meisten Nomaden mit einem Sonnenkollektor einen Akku auf, wodurch die Benutzung von Fernseher, Handy und einigen anderen Haushaltsgeräten möglich wird.

Mongolische Nomaden heizen und kochen mit Holz oder getrocknetem Rinderdung. Für die Isolierung der Jurte eignet sich Filz aus Schafswolle sehr gut.

Mehr zu mongolischen Schafen und ihrer Wolle findet sich in diesem Blogbeitrage: Nutztiere der Mongolei - Das Schaf


Oyun Ishdorj
Dezember 2021

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