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Cashmere – Wollgewinnung in der Mongolei (Teil 1)

Blogeintrag vom

Dieser Übersichtsartikel gibt einen Überblick über Wissenswertes zur Gewinnung der Edelwolle in der Mongolei. Die ursprüngliche, unberührte Natur mit ihren extremen klimatischen Verhältnissen ist Grundlage der anerkannt weltweit höchsten Qualität der mongolischen Cashmere-Wolle. Die Weite des Landes bietet zudem beste Bedingungen für die Jahrtausende alte Tradition der nomadischen und sehr tierfreundlichen Herdenhaltung von Cashmere-Ziegen.

Zur Wollgewinnung werden Cashmere-Ziegen ausgekämmt und nicht geschoren. Das grobe Deckhaar der Ziegen wächst nicht schnell nach, so dass die Tiere bei einer Schur im nächsten Winter nicht ausreichend geschützt wären. Auch ist das gut gekräuselte Flaumhaar des Bauchfells das eigentliche Ziel der Wollgewinnung: jährlich liefert eine Ziege nur circa 150 Gramm dieser sehr feinen Faser.

Wann genau werden die Ziegen gekämmt?

Das Auskämmen geschieht im Frühling mit dem natürlichen Fellwechsel der Tiere von Mitte März bis Mitte Mai. Der genaue Zeitpunkt entscheidet sich jedoch nach verschiedenen Gesichtspunkten, von denen insbesondere folgende maßgeblich sind:

1. Die Geographische Lage des Lebensraums der jeweiligen Herde

Nomaden und Tiere leben auch hier mit der Natur, folgen dem mongolischen Frühling, der das Land in zeitlicher Hinsicht aus Süd-Osten kommend in Richtung Nord-Westen überzieht. Im Osten der Mongolei startet das Auskämmen circa Mitte März, im Süden Ende März, in der Zentralmongolei Anfang April und im Westen als Gebirgsregion erst gegen Mitte April.

2. Das „Abheben“ der Flaumhaare

Das wichtigste Signal zum Kämmen aber geben die Cashmere-Ziegen selber den Nomaden. Denn die Natur hat es geregelt: Sobald es mit der kalten Jahreszeit vorbei ist, hebt sich das Flaumhaar vom Körper ab. Es löst sich quasi vom Körper ab und wird lockerer. Die Natur zeigt klar an, wann die Zeit der „Ernte“ der reifen Haare – so bezeichnen Mongolen die Wollgewinnung tatsächlich – gekommen ist. Versucht man die Haare vor dem „Abheben“ – auch dieser Begriff ist wörtlich aus dem Mongolischen übertragen – zu kämmen, bringt das nicht viel: Das Haar sitzt dann noch zu fest im groben Deckhaar. 

Fängt man also zu früh mit dem Kämmen an, hat man es nicht nur sehr schwer und braucht viel Kraft und Anstrengung. Es würde auch nur ein geringer Anteil der wertvollen Flaumhaare geerntet werden können. Ein zu frühes Auskämmen bringt zudem nicht nur quantitativ keinen oder höchstenfalls mäßigen Erfolg.
Auch qualitativ bleibt es weit hinter den möglichen Ergebnissen zurück, da anstatt langer Haare nur kurze, weniger wertige Haare geerntet würden. 

Auch ein zu spätes Auskämmen hat Nachteile: Tragen die Tiere in der warmen Jahreszeit noch ihr Winterfell, so können sie überhitzen. Die möglichen gesundheitlichen Folgen sind vielfältig und können bis zu einem Hitzschlag gehen. Mittelfristig kann das dann auch bedeuten, dass eine betroffene Ziege für den nächsten Winter eventuell nicht ausreichend Kraft tanken kann, diesen nicht überlebt.
Außerdem nisten sich in den nach dem Abheben losen Flaumhaaren Ungeziefer und andere Tierchen ein, was zu verschiedenen Hauterkrankungen führen kann. Dies bedeutet einen unmittelbaren wirtschaftlichen Verlust, denn verschmutzte Wolle bringt geringere Verkaufserlöse. 

Die nomadische Faustregel lautet somit, dass die Ziegen innerhalb von 3 bis 4 Wochen nach dem Abheben der Haare ausgekämmt sein sollten. Aus den aufgezeigten Gründen ist diese Faustregel in der Mongolei für jeden Nomaden ein ungeschriebenes Gesetz, das sich unmittelbar aus den Regulativen der Natur ableitet.

3. Der individuelle Fellzyklus einer jeden Ziege

Das Kämmen der Tiere bedeutet einen großen personellen und zeitlichen Aufwand. Weil bei nicht allen Tiere einer Herde am gleichen Tag die die Flaumhaare abheben, werden die Tiere jeden Morgen einzeln eingefangen. Sie werden dann kontrolliert und beim positiven Ergebnis zum Kämmen gebracht. Bei größeren Herden ist all dies arbeitsteilig organisiert, so dass nach einer Station für das Kämmen, eine für das Sortieren sowie Verpacken der Wolle folgt. 

Weil man jedes Tier der Herde einzeln kämmt, nutzt man die Gelegenheit auch für den „jährlichen Gesundheitscheck“. Scherzhaft sagt man in der Mongolei im Übrigen auch, dass die Tiere einmal im Jahr ihre Wohlfühlmassage bekommen.

In Kenntnis all dessen ist es nun leicht zu verstehen, warum die Qualität der Cashmere-Wolle – und damit auch jedes aus dieser gefertigten Produkts – stark von der richtigen Festlegung der Kämm-Zeit abhängt. Erzeuger von Qualitätsbekleidung wie LaNOOS achten deshalb bereits hier auf nachhaltige und überprüfte Tierhaltung.

Oyun Ishdorj
März 2021

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