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Cashmere aus der Mongolei (Teil 3/6) – Waschen, Trocknen, Kämmen

Blogeintrag vom

Waschen & Trocknen:

Das Großteil der von den Hirten gekämmten, nach Farbe sowie Feinheit sortierten und verpackten Kaschmirhaare wird auf LKW oder Tierrücken geladen und zu spezialisierten Waschanlagen transportiert.

In der Mongolei gibt es unterschiedlich große Waschanlagen für Kaschmir:
- Großanlagen mit automatisierten Waschstraßen verarbeiten einen Großteil der gekämmten Wolle. Diese Anlagen befinden sich überwiegend in der Nähe der Hauptstadt Ulan Bator.
- In den Provinzen gibt es zahlreiche kleinere Anlagen mit ein oder zwei Trommelmaschinen, die in der Lage sind, am Tag zwei bis drei Tonnen Wolle zu waschen.
- In kleinen Betrieben oder sogar in Haushalten kommen auch Handmaschinen zum Einsatz.

    Ungefähr Anfang Mai eines jeden Jahres beginnt dort das Waschen des Kaschmirhaares eines Erntejahres.

    Nötige Vorarbeit beim Waschen ist wieder das Sortieren. Ein Verarbeitungsschritt, bei dem es nach wie vor auf die geübten Augen und Hände der sehr erfahrenen Sortierer/innen ankommt, um die höchste Qualität des Endprodukts sicherzustellen. Maschinen werden hier von keinem einzigen der mongolischen Hersteller eingesetzt!

    Danach geht es in die Waschstraße:
    1. Der erste Abschnitt ist eine Schüttelstraße und befreit die Wolle von grobem Schmutz.
    2. Die Waschstraße besteht im zweiten Abschnitt aus mehreren Trommeln mit unterschiedlichen Funktionen.
    a. Im ersten Schritt wird die Wolle grob gereinigt und von Unreinheiten wie Staub, Pflanzenresten, Fetten etc. befreit. Hierbei wird reines Wasser benutzt. Die Geruchentwicklung ist hier die intensivste der gesamten Wäsche: Stellen Sie sich einfach den Geruch eines großen nassen Hundes vor in zehnfacher Potenz vor. Weil dieser Verarbeitungsschritt viel Wasser benötigt – und nicht nur des Geruchs wegen – befinden sich die Waschanlagen meist außerhalb von Siedlungen. Im Sinne der Nachhaltigkeit suchen die Unternehmen gerade in diesem Bereich nach den wassersparenden Technologien und investieren verstärkt in neue Anlagen.
    b. Im nächsten Schritt wird die Wolle – ähnlich wie menschliches Haar mit Shampoo – gewaschen.
    c. In dem darauffolgenden Schritt wird die Wollmasse mit einer Mischung aus Ölen veredelt und gespült.
    Einzelne Schritte werden dabei bei Bedarf solange wiederholt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.
    3. Der dritte Abschnitt ist das Trocknen: Die nun saubere, aber nasse Wolle wird in Trommeln von frischer, leicht erwärmter Luft umflutet, um die ganze Feuchtigkeit entfernen.

      Viele Abnehmer kaufen Kaschmirwolle unmittelbar nach dem Trocknen. Mit gewaschener, getrockneter Wolle definierter Farbe und Feinheit leisten sie die weitere Verarbeitung in Eigenregie.

      Kämmen & Qualitätssicherung:

      Verbleibt die Wolle beim Wollproduzenten erfolgt in der nächsten Anlage da Kämmen. Auch hier gibt es mehrere Durchläufe, bei denen die Wolle nach Feinheit und auch Länge sortiert wird.

      Bei diesem Prozess werden zu grobe, zu kurze und kaputte Haare aussortiert. Dabei werden 30 bis 35 % der ursprünglichen Wollmenge als aus diesen Gründen nicht für die Garn-/Textilproduktion tauglich eingestuft – die verbleibende Wollmenge reduziert sich in entsprechendem Umfang. Ein in der Welt einmaliger Qualitätsanspruch, der eine weitere, wesentliche Grundlage der höchsten Qualität mongolischer Kaschmirtextilien ist!

      Die in der Produktion verbleibende Wolle wird nach weiteren Kämmprozessen je nach Haarlänge als Kategorien I, II, III deklariert, wobei die Kategorie I für die längsten Haare und damit die wertvollste Wolle steht. Viele, vor allem europäische Abnehmer kaufen gekämmte Kaschmirwolle nach diesem Verarbeitungsschritt.

      Ende Mai bis Anfang Juni sind diese Bearbeitungsschritte in der Regel abgeschlossen.

      Auf einen weiteren, einmaligen Nachhaltigkeitsaspekt sei noch hingewiesen: Der nomadischen Tradition mit dem Bewirtschaftungsgrundsatz der vollen Verwertung des von der Natur Gegebenen folgend, sind die aussortierten Fasern kein Abfall. Sie werden in der Mongolei für die Filzproduktion genutzt.

      Oyun Ishdorj
      Mai 2021

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