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Cashmere aus der Mongolei (Teil 5/6) – Garnverarbeitung

Blogeintrag vom

Verarbeitung zum Garn:

Die gewaschene, gekämmte und zumeist gefärbte Wolle wird nun zum Garn verarbeitet. In der Mongolei meist in den größeren Spinnereien. Die Prozesse sind dort oft vollautomatisiert.

Die ersten Garne aus der neuen Ernte gehen ab Juni in die Produktion, d.h. wenn genug gewaschene und gefärbte Wolle für die benötigte Menge der jeweiligen Farbe da ist.

Das Ringspinnen, das auf der Welt am häufigsten verwendete Verfahren, kommt meistens auch bei den mongolischen Herstellern zum Einsatz. Grob beschrieben sieht der Prozess folgendermaßen aus:

Die Wollmasse wird in der sogenannten Krempelmaschine so gekämmt, dass die Haare parallel zueinander ausgerichtet werden. Mit Hilfe von Hackenwalzen wird die Masse dann zu einem Band gezogen und gestreckt. Dieses Faserband wird dann im nächsten Schritt zu einem gleichmäßigen Faden gedreht und auf große Spulen umgespult. Bei diesem Umspulprozess findet gleichzeitig die Qualitätskontrolle statt: der Faden in Bezug auf Gleichmäßigkeit überprüft und eventuelle Restverschmutzungen herausgefiltert.

Fädigkeit

Aus diesem Faden entsteht im nächsten Produktionsschritt ein Garn: zwei Fäden werden miteinander verzwirnt und so entsteht ein sogenanntes 2-fädiges (2 ply) Garn. Dieses Garn ist bei den mongolischen Herstellern Basis der meisten Produkte. Werden mehrere 2-fädige Garne zusammengedreht, erhöht sich automatisch die Anzahl der Fäden – bei Endprodukten spricht man dann von Vier-, Sechs- oder Acht- usw. -Fädigkeit. Je höher die Fädigkeit, also die Anzahl der Fäden ist, desto mehr nimmt die Menge der verarbeiteten Wolle, also auch Gewicht und Dicke eines Garns bzw. Textils zu. Die Fädigkeit eines Garns ist jedoch entgegen einem bei Verbrauchern weit verbreitetem Missverständnis kein Qualitätskriterium, da die Qualität des Garns stets die gleiche bleibt.

Garnstärke/Garnfeinheit

Neben der Anzahl der Fäden ist Garnstärke bzw. Garnfeinheit eine weitere Garne beschreibende Eigenschaft.

In der Mongolei wird noch heute das System der Längennummerierungen im NM-System zur Definition der Feinheit von Garnen angewandt. Längennummerierungen geben das Verhältnis Länge je Masse an. Die Einheit „Nummer Metrisch“ (NM) war bis Ende der 1960er Jahre auch in Deutschland vorgeschrieben. Sie gibt an, wie viele Meter eines linienförmigen textilen Gebildes eine Masse von einem Gramm haben. Je höher also der NM-Wert, desto feiner das Garn.

Auf den Produktblättern der mongolischen Hersteller steht öfters die folgende oder eine sinngemäß gleiche Angabe: 2/28NM. Dies kann man folgendermaßen entziffern:
- 2 steht für die Anzahl der Fäden des Garns, das bei der Herstellung des fertigen Produktes verwendet wurde.
- 28NM bezieht die Feinheit des Garns auf 1 Gramm Wolle. Hier bedeutet es, dass 1 Gramm Wolle 28 Meter lang ist.

    Bei mongolischen Herstellern sind überwiegend Premiumprodukte in den Qualitäten 2/28NM oder 2/46NM erhältlich.

    Das fertige Garn wird in den Spinnereien auf große Spulen gedreht und dann an die folgenden Produktionsstationen geliefert.

    Oyun Ishdorj
    Juni 2021

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